
An diesem Sonntagnachmittag im August 2026 ist es in der Ostengasse fast still, nur unten im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen seinen gleichmäßigen Takt. Der Blick aus meinem Küchenfenster fällt auf die Rückseite vom Bäcker Prantl, wo die Backstube nun ruht, und ich merke, wie der Fencheltee in meiner Tasse langsam trinkwarm wird. Vor mir liegt mein Leinen-Heft, daneben das Buch von Rosina Kaiser, das mir meine Studienfreundin letztes Jahr geschenkt hat. Es ist ein kleiner Anker in einer Zeit, in der ich lernen muss, wer ich eigentlich bin, wenn ich nicht mehr jeden Morgen um sechs mit Herzrasen in die Clermont-Ferrand-Schule fahre.
Hinweis: In meinen Sonntagsnotizen finden sich einige Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Zahlen-Code Links ein Buch kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich. Ich teile hier nur meine ehrlichen Erfahrungen aus meinem eigenen Journaling-Prozess am Küchentisch. Meine ausführliche Offenlegung findest du im Impressum.
Das Loch nach dreiundzwanzig Jahren
Dreiundzwanzig Jahre lang war ich Frau Haselbeck. Ich war diejenige, die den Pausenhof-Geräuschpegel bändigte, die Geburtstagskarten im Klassenzimmer aufhängte und die genau wusste, welcher Lappen an der grünen Wandtafel am besten wischt. Seit Januar 2024 unterrichte ich nur noch 12 Wochenstunden in Altersteilzeit. Was am Anfang wie eine Erlösung klang, öffnete im späten Herbst 2025 plötzlich einen Abgrund. Wenn ich Dienstag und Donnerstag Mittag das Schulhaus verlasse, fühle ich mich manchmal wie eine Ehemalige, die ihren Platz noch nicht ganz geräumt hat, aber eigentlich nicht mehr gebraucht wird.
Ich fragte mich oft: Bin ich ohne meine Klasse 3b überhaupt noch jemand, oder nur noch eine Frau, die sonntags um drei Uhr Zahlen in ein Heft schreibt? Diese Identitätskrise kam schleichend, wie der Nebel an der Donau. Besonders schwer ist das für Frauen, die – anders als ich in meiner Zweizimmerwohnung – zusätzlich noch in der Pflege von Angehörigen stecken. Eine ehemalige Kollegin pflegt ihre Mutter und erzählte mir neulich beim Spaziergang an der Steinernen Brücke, dass alle Ratgeber zur Selbstverwirklichung bei ihr scheitern. Sie hat keine Zeit für Yoga-Retreats oder neue Hobbys; ihr Alltag ist getaktet durch Medikamentengaben und Arztbesuche.

Ein System für die Zwischenzeiten
Genau hier setzt das an, was ich im Juni 2024 als „etwas Kleines für den Sonntag“ kennenlernte. Der Zahlen-Code von Rosina Kaiser verlangt keine großen Zeitblöcke. Es ist kein Heilsversprechen, sondern eine Einladung, sich eine halbe Stunde hinzusetzen und über die eigene Struktur nachzudenken. Ich nutze die Zahlen von 1 bis 9, um meine Lebenszahl und die aktuelle Tageszahl zu berechnen. Das ist wie das vorsichtige Formulieren, das ich den Kindern früher beigebracht habe: Man schaut sich die Buchstaben – oder eben die Zahlen – genau an, bevor man ein Urteil fällt.
Beim Ausrechnen meiner Lebenszahl entspannte sich zum ersten Mal seit Monaten dieser hartnäckige Kloß in meinem Hals, der mich seit den letzten, schweren Elternabenden vor meinem Burnout begleitet hatte. Es war, als ob die Mathematik mir die Erlaubnis gäbe, einfach nur dazustehen. Ich habe dieses Buch inzwischen in 3 Kopien an Freundinnen verschenkt, weil es so herrlich unaufgeregt ist. Es ist kein Ersatz für eine Therapie oder den Rat eines Hausarztes – das möchte ich betonen, da ich selbst keine medizinische Ausbildung habe –, aber es ist ein wunderbares Werkzeug zur Selbstreflexion.
In Wochen, in denen der Stress im Lehrerberuf oder die Belastung in der Pflege zu groß wird, hilft es, sich an etwas Festem festzuhalten. Manche Leserinnen fragten mich nach technischeren Lösungen wie der MeineRadionik Software. Eine Bekannte aus Augsburg nutzt das, um Cluster-Analysen zu erstellen. Für mich persönlich war das nichts. Ich versuchte kurzzeitig, eine Numerologie-Software zu nutzen, aber das kalte Display löste nur wieder das alte Herzrasen aus – das Papier war für mich der einzige Weg zurück zu mir selbst. Wer jedoch einen strukturierteren, geführten Weg sucht, könnte sich den Videokurs ansehen, der tiefer in die Materie einsteigt.

Wenn die Zahlen schweigen
Es gab auch Sonntage, an denen gar nichts passierte. An einem verregneten Sonntag im Juli saß ich hier, hatte meine Tageszahl berechnet und spürte: Nichts. Keine Erkenntnis, kein sanfter Impuls, nur der Geruch von Fencheltee, der sich mit dem Staub des alten Ringbuchs mischte, in dem noch Kinderzeichnungen meiner Klasse 3b von 2019 stecken. Es ist wichtig, das auszuhalten. Der Zahlen-Code ist kein Automat, in den man oben eine Zahl einwirft und unten kommt die Lösung für die Lebenskrise heraus.
Vielmehr ist es eine Übung in Geduld. In der Altersteilzeit müssen wir lernen, dass die Leere nicht sofort gefüllt werden muss. Ich habe gelernt, zuhause anzukommen nach der Schule, indem ich diese Stille akzeptiere. Manchmal hilft es auch, Schreibblockaden im Sonntagsjournal durch die Impulse aus dem Buch zu lösen, indem man einfach die Bedeutung einer Zahl als Frage an den eigenen Tag formuliert. Was bedeutet die „Vier“ für meine heutige Ordnung? Wie fühlt sich die „Fünf“ an, wenn ich eigentlich nur Ruhe will?
Für pflegende Angehörige, die oft nur zehn Minuten zwischen zwei Aufgaben haben, kann die Tageszahl ein stiller Begleiter sein. Man muss nicht meditieren; man kann beim Warten in der Apotheke oder beim Bäcker Prantl kurz an die Zahl denken. Es ist eine Form der inneren Identität, die nicht davon abhängt, was wir für andere leisten.

Neue Wege in der Ostengasse
Heute, im August 2026, sehe ich den Übergang anders. Ich bin nicht mehr die Lehrerin, die kurz vor dem Zusammenbruch steht. Ich bin eine Frau, die lernt, ihre eigene Geschichte neu zu schreiben. Die Zahlen sind dabei wie die Linien in einem Grundschul-Heft: Sie geben den Rahmen vor, aber was ich hineinschreibe, bleibt mir überlassen. Wenn du dich in einer ähnlichen Situation befindest – sei es durch den Vorruhestand oder die Belastung der Pflege –, such dir etwas Kleines, das bleibt.
Vielleicht ist es für dich auch das Buch Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter]. Es muss nichts Großspuriges sein. Ein Leinen-Heft, ein warmer Tee und die Bereitschaft, sich selbst wieder zuzuhören, reichen oft schon aus. Ich habe gelernt, Geduld zu lernen in der Altersteilzeit, und das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die ich nach dreiundzwanzig Jahren Schuldienst noch einmal pauken durfte. Es ist ein langsamer Weg, aber er führt stetig aus dem Schatten des Doms hinein in ein neues, eigenes Licht.