
Das Licht fällt heute besonders weich durch die hohen Fenster meiner Wohnung in der Ostengasse. Es ist ein später Sonntagnachmittag im August 2026, und unten im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen so stetig, dass es fast wie ein leises Atmen wirkt. Mein Fencheltee dampft noch in der Tasse, und vor mir liegt das Leinen-Heft, dessen rauer Einband sich unter meinen Fingern vertraut anfühlt. Es ist mein Anker geworden.
Hinweis: In diesen persönlichen Notizen finden sich Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links das Buch von Rosina Kaiser oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — dein Preis bleibt natürlich gleich. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich an meinem eigenen Küchentisch in Regensburg ausprobiert habe. Meine ausführliche Offenlegung findest du unten.
Dreiundzwanzig Jahre und ein langsames Verstummen
Wenn ich an die Clermont-Ferrand-Schule im Westen der Stadt zurückdenke, sehe ich zuerst die grüne Wandtafel vor mir. Dreiundzwanzig Jahre lang war sie meine Begleiterin, genau wie die dieselbe Schulhausleiterin und der alte Wasserkocher in der Pausenküche, der immer auf Sparstufe lief. Ich war Frau Haselbeck, die Klassenlehrerin der 3b, diejenige, die alles im Griff hatte. Doch irgendwann im Jahr 2022 begann etwas in mir zu bröckeln. Es war kein plötzlicher Knall, sondern ein langsames Burnout, das zwei Schuljahre lang schwelte. Morgens vor sechs Uhr saß ich auf der Bettkante, das Herz raste, und vor jedem Elternabend saß dieser Kloß in meinem Hals, der das Atmen schwer machte.
Im Januar 2024 zog ich die Reißleine. Nach einer langen Krankschreibung beantragte ich Altersteilzeit. Heute unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden, Dienstag und Donnerstag Vormittag. Es sind ruhigere Fächer, und die Verantwortung für die 3b liegt nun in anderen Händen. Aber das „Ankommen“ im neuen Leben, das Ablegen der Lehrerinnen-Identität, war schwerer, als ich dachte. Man nimmt den Lärm des Pausenhofs und die Sorgen um Kinder wie Jonas oder die kleine Mia von 2019 im Kopf mit nach Hause, auch wenn man nur noch zwei Tage pro Woche im Klassenzimmer steht.

Der Sonntag als Brücke in die eigene Stille
Im Juni 2024, kurz nach dem ersten warmen Bauernmarkt am Neupfarrplatz, drückte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg ein Buch in die Hand. „Irgendwas Kleines für den Sonntag, Kerstin“, sagte sie. „Nichts Großspuriges.“ Es war der Zahlen-Code von Rosina Kaiser. Zuerst war ich skeptisch. Als Lehrerin bin ich auf Fakten und Lehrpläne trainiert. Aber die Idee, sich einfach eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um mit Zahlen zu arbeiten, die eine energetische Frequenz darstellen sollen, hatte etwas Sanftes.
Ich begann damit, jeden Sonntagnachmittag gegen drei Uhr hier am Küchentisch zu sitzen. Ich berechnete meine Tageszahl, später meine Lebenszahl und die Jahreszahl. Es geht dabei nicht um Mathematik im Sinne einer Grundschulstunde. Es geht um ein Innehalten. Fencheltee und Heilzahlen wurden zu meinem privaten Ritual, um den Übergang von der Schulwoche in mein eigenes Ich zu finden. Es ist erstaunlich, wie sehr eine einfache Zahlenfolge helfen kann, den mentalen Fokus von den Bedürfnissen der Kinder weg und hin zu den eigenen Bedürfnissen zu lenken.
Dabei bin ich keine Numerologin und erst recht keine Heilpraktikerin. Ich habe keinerlei medizinische Ausbildung und bin keine Expertin für energetische Heilung. Wenn es mir wirklich schlecht ging, habe ich Hilfe bei meinem Hausarzt und einer Beratungsstelle gesucht. Das Zahlen-Journaling ist für mich kein Ersatz für Therapie, sondern eine Form der Achtsamkeit, so wie andere vielleicht im Dom-Schatten spazieren gehen oder bei Prantl ein Stück Kuchen essen. Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte immer professionellen Rat einholen.
Vom Versuch, die Zahlen zu „benoten“
Am Anfang tappte ich in die typische Lehrerfalle. Ich wollte die Zahlen-Codes wie einen Lehrplan abarbeiten. Ich suchte nach dem „Richtig“ oder „Falsch“ in den Interpretationen, fast so, als müsste ich mir selbst eine Note geben. In einer Woche im Oktober 2025 war ich frustriert, weil ich absolut keine Resonanz zu meiner berechneten Wochenzahl spürte. Ich dachte, ich hätte etwas falsch gemacht. Erst nach und nach lernte ich, dass es beim Spüren kein Versagen gibt. Wenn eine Zahl in einer Woche mal gar nichts auslöst, dann ist das eben so. Das ist die Freiheit, die ich in der Schule nie hatte.
Dieses Loslassen war ein wichtiger Teil meiner neuen Identität nach dem Lehrerberuf. Es ist der Gedanke, dass ich dreiundzwanzig Jahre lang fast jede Minute für andere da war — für die Kinder, die Eltern, das Kollegium. Wenn ich jetzt sonntags eine Zahl nur für mich selbst aufschreibe, ist das ein kleiner Akt der Selbstbehauptung. Es ist mein Raum, der nicht bewertet wird.

Der Übergang: Wenn die Schule nicht am Schultor endet
Eine besondere Herausforderung für uns Lehrkräfte ist oft die Nachmittagsbetreuung oder die Zeit direkt nach dem Unterricht, in der man emotional noch völlig „besetzt“ ist. Man kommt nach Hause in die Ostengasse, hört aber immer noch das Stühlerücken und die hohen Stimmen. Das Sonntagsjournal hilft mir dabei, eine emotionale Grenze zu ziehen. Es bereitet den Boden für die Woche vor, sodass ich am Dienstag nicht mit dem alten Herzrasen zur Clermont-Ferrand-Schule fahre.
Ich habe bemerkt, dass das Ausbleiben des vertrauten Kloßes im Hals — dieses Engegefühl, das mich jahrelang begleitete — oft mit diesen ruhigen Sonntagen zusammenhängt. Wenn ich die Zahlen-Codes für Gelassenheit oder Klarheit in mein Heft eintrage, gebe ich meinem System ein Signal: „Wir sind jetzt sicher. Wir sind zuhause.“ Es ist eine sanfte Form der Burnout-Prävention, die ganz ohne Druck auskommt.
Ein Blick in mein Leinen-Heft
In meinem Regal steht noch ein altes Ringbuch mit Kinderzeichnungen der Klasse 3b von 2019. Manchmal schaue ich es an und lächle, aber dann kehre ich zu meinem aktuellen Journal zurück. Das Buch Zahlen-Code von Rosina Kaiser hat mir geholfen, eine Struktur zu finden, die nicht einengt. Die 4.5 Sterne, die es oft in Bewertungen erhält, kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen — es ist unaufgeregt und bodenständig.
Manchmal fragen mich ehemalige Kolleginnen, ob ich auch modernere Methoden nutze. Eine Freundin erzählte mir neulich von Programmen wie MeineRadionik, die wohl mit Clustern und technischeren Ansätzen arbeiten. Das mag für manche spannend sein, aber für mich passt es nicht zu meinem Sonntagsritual am Küchentisch. Ich brauche das Papier, das Gewicht des Füllhalters in meiner Hand und die Stille meiner Zweizimmerwohnung. Ich möchte nicht vor einem Bildschirm sitzen, wenn ich gerade versuche, die digitale Hektik des Alltags hinter mir zu lassen.

Regensburger Sonntagsfrieden
Wenn die Sonne langsam hinter den Dächern der Altstadt verschwindet und der Schatten des Doms länger wird, klappe ich mein Heft zu. Ich fühle mich dann nicht mehr wie die erschöpfte Lehrerin, die nur noch funktioniert. Ich fühle mich wie eine Frau, die ihren Platz im Leben neu sortiert hat. Die schiefe Lavendelvase vom Bauernmarkt erinnert mich daran, dass Schönheit oft im Unvollkommenen liegt — genau wie in meinen Journal-Einträgen.
Zuhause ankommen bedeutet für mich heute, dass ich nicht mehr auf die zweiundzwanzig Ferientage im Jahr warten muss, um aufzuatmen. Das Aufatmen passiert jetzt, an jedem einzelnen Sonntag. Es ist ein leiser Prozess, so stetig wie die Donau, die nur ein paar hundert Meter von hier entfernt unter der Steinernen Brücke hindurchfließt. Wenn du selbst im Schuldienst bist oder merkst, dass der Stress dich langsam aushöhlt, probiere es vielleicht einmal mit etwas Kleinem. Es muss kein großer Kurs sein. Manchmal reicht ein Buch, ein Heft und die Erlaubnis, sich selbst wichtig zu nehmen.
Vielleicht ist der nächste Sonntag in der Ostengasse oder wo auch immer du lebst, der Moment, in dem du zum ersten Mal eine Zahl nur für dich selbst aufschreibst. Es lohnt sich, diesen Weg zu gehen, Schritt für Schritt, ohne Eile, so wie ein ruhiger Spaziergang am Donau-Ufer.