Zaerin

Lebenszahl berechnen und Bedeutung verstehen: Mein Sonntagsjournal in Regensburg

Letzte Änderung
Lebenszahl berechnen und Bedeutung verstehen: Mein Sonntagsjournal in Regensburg

Draußen vor meinem Fenster in der Ostengasse hat sich die Luft über dem Hinterhof bereits erwärmt. Es ist ein später Sonntagnachmittag im Mai 2026, und das gleichmäßige Plätschern des Steinbrunnens vermischt sich mit dem fernen Lachen der Touristen, die wohl gerade von der Steinernen Brücke kommen. Mein Fencheltee ist heute genau richtig – nicht mehr so heiß, dass man sich die Zunge verbrennt, aber warm genug, um dieses wohlige Gefühl im Bauch zu verbreiten. Auf dem Tisch liegt mein Leinen-Heft, daneben die schiefe Lavendelvase, die ich letzte Woche auf dem Bauernmarkt am Neupfarrplatz erstanden habe. Es ist ein Moment der Stille, den ich mir vor drei Jahren, als ich noch jeden Sonntagabend mit diesem beklemmenden Kloß im Hals vor dem Korrekturstapel saß, niemals hätte vorstellen können.

Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Rhythmus fremdbestimmt. Die Clermont-Ferrand-Schule im Westen der Stadt war mein zweites Zuhause, mit all den Kreidestaub-Gerüchen und dem Lärmpegel im Pausenhof, der mir am Ende fast das Herz zerrissen hätte. Wenn ich heute an die Zeit vor meinem Burnout zurückdenke, an dieses Herzrasen morgens vor sechs, dann fühlt es sich an wie ein verblasster Film. Seit ich im Januar 2024 die Altersteilzeit angetreten habe und nur noch meine zwölf Stunden unterrichte, habe ich gelernt, die Pausen zwischen den Worten zu finden. Das Buch von Rosina Kaiser, das mir meine Studienfreundin aus Augsburg vor fast zwei Jahren geschenkt hat, war dabei wie ein leiser Wegweiser, den man erst sieht, wenn man das Tempo drosselt.

Die Ordnung der Ziffern: Meine persönliche Rechnung

In meinem Heft steht heute wieder meine Lebenszahl ganz oben. Ich mag die Klarheit der Mathematik, vielleicht ist das ein Überbleibsel aus den vielen Stunden, in denen ich den Kindern der 3b beigebracht habe, wie man Zahlen zerlegt, um ihr Wesen zu verstehen. Die Lebenszahl zu berechnen, ist ein kleiner, fast meditativer Akt. Man nimmt sein Geburtsdatum und addiert die Ziffern, bis nur noch eine Zahl übrig bleibt. In meinem Fall, geboren am 14.04.1978, sieht das so aus:

Die Sieben. Lange Zeit wusste ich nicht, was ich mit dieser Information anfangen sollte. Ich bin keine Numerologin und auch keine Heilpraktikerin. Ich bin eine Lehrerin, die gelernt hat, dass Struktur Sicherheit gibt. Im Zahlen-Code steht die Sieben oft für die Beobachterin, für jemanden, der Ruhe braucht, um die Welt zu verarbeiten. Wenn ich an meine Zeit in der Vollzeit zurückdenke, habe ich genau gegen diese Natur gelebt. Ich war diejenige, die im Zentrum des Wirbels stand, die Elternabende moderierte und Konflikte im Pausenhof klärte, während meine innere Sieben eigentlich nur an das Donau-Ufer flüchten wollte, um den Kieselsteinen beim Rollen zuzusehen.

Nahaufnahme einer handgeschriebenen Lebenszahl-Berechnung in einem Notizbuch.

Es gab eine Woche im letzten April, da hat mir die Sieben gar nichts gesagt. Ich saß hier, der Tee war längst kalt, und ich starrte auf die Zahlen, aber da war keine Verbindung. Das Leinen-Heft blieb an diesem Sonntag leer. Ich habe gelernt, dass das in Ordnung ist. Manchmal ist eine Zahl nur eine Zahl, und das Leben lässt sich nicht in ein festes Raster pressen. Genau wie ein Kind in der Schule nicht jeden Tag die gleiche Begeisterung für das kleine Einmaleins aufbringen kann, so gibt es Tage, an denen die spirituelle Reflexion einfach keinen Platz findet. Dann gehe ich lieber hinunter zum Bäcker Prantl, hole mir ein Stück von dem guten Blechkuchen und schaue den Schwalben zu, wie sie über den Dom-Schatten fliegen.

Erinnerungen und neue Gelassenheit

Hinter mir im Regal steht das alte Ringbuch mit den Zeichnungen meiner Klasse 3b von 2019. Wenn ich es aufschlage, sehe ich Jonas' Bild von der Steinernen Brücke – die Pfeiler sind schief, aber das Blau der Donau ist so kräftig, dass es fast aus dem Papier leuchtet. Jonas war ein Kind, das die Welt sehr genau beobachtet hat, oft viel genauer als wir Erwachsenen. Er hatte eine natürliche Achtsamkeit, die ich mir heute mühsam wieder erarbeiten muss. Die Arbeit mit dem Zahlen-Code hilft mir dabei, diese Beobachterrolle einzunehmen, ohne mich sofort für alles verantwortlich zu fühlen.

In meinen Jahren an der Schule war Perfektionismus mein ständiger Begleiter. Jede Geburtstagskarte im Klassenzimmer musste perfekt sein, jede Unterrichtsvorbereitung bis ins kleinste Detail durchdacht. Heute, in der Altersteilzeit, merke ich, wie wichtig es war, diesen Perfektionismus ablegen zu können, und mein Sonntagsjournal mit den Zahlen ist dabei mein wichtigstes Werkzeug geworden. Es erinnert mich daran, dass ich nicht die Summe meiner Leistungen bin, sondern ein Mensch mit einer eigenen, inneren Dynamik.

Ein Bücherregal mit einem alten Ringbuch voller Kinderzeichnungen der Klasse 3b.

Wenn ich heute am Dienstag- oder Donnerstagvormittag in die Schule gehe, nehme ich eine andere Energie mit. Ich unterrichte nur noch zwei ruhigere Fächer. Es gibt keinen Zeitdruck mehr, keine großen Stoffpläne, die wie ein bleierner Berg vor mir liegen. Ich kann den Kindern wieder wirklich zuhören. Manchmal erzähle ich ihnen von der Ordnung der Natur, von den Mustern, die man überall finden kann, wenn man nur genau hinsieht. Aber ich erzähle ihnen nichts von meinen Zahlen-Codes am Sonntag. Das ist mein privater Garten, mein Rückzugsort in der Ostengasse.

Ein Anker gegen das Gedankenkarussell

Die Lebenszahl ist für mich kein Orakel, das mir sagt, was ich morgen tun soll. Sie ist eher wie eine Landkarte meiner eigenen Tendenzen. Wenn ich merke, dass ich wieder in alte Muster verfalle – wenn das Herzrasen vor einem Gespräch mit der Schulleitung leise anklopft –, dann schaue ich in mein Heft. Ich erinnere mich daran, dass meine Sieben Raum braucht. Es ist eine Form der Selbstfürsorge, die ich viel zu spät gelernt habe. Inzwischen habe ich auch festgestellt, dass mir diese Routine hilft, meine Schlafstörungen zu lindern, die mich früher oft die ganze Nacht wachgehalten haben. Wenn die Gedanken am Sonntagabend geordnet sind, darf auch der Körper zur Ruhe kommen.

Natürlich ersetzt so ein Journaling keine medizinische Behandlung. Als ich 2023 am tiefsten Punkt war, war der Weg zum Hausarzt und die Beratung durch die Gewerkschaft der erste und wichtigste Schritt. Der Zahlen-Code ist die sanfte Pflege für danach, ein Weg, um wieder mit sich selbst ins Gespräch zu kommen, wenn der große Sturm sich gelegt hat. Es ist ein bisschen wie das Aufräumen der Materialkammer am Ende eines Schuljahres: Man sortiert aus, was man nicht mehr braucht, und schafft Platz für das Neue.

Blick aus dem Fenster in der Ostengasse auf die Regensburger Altstadt im Mai.

Es ist jetzt fast vier Uhr. Der Schatten des Doms kriecht langsam über die Rückseite vom Bäcker Prantl. Ich klappe mein Leinen-Heft zu und streiche noch einmal über den rauen Einband. In der kommenden Woche werde ich mich vielleicht mit der Tageszahl beschäftigen, aber heute reicht mir die Erkenntnis meiner Lebenszahl. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wer man ist, wenn die Rolle der Lehrerin für ein paar Tage Pause macht. Ich werde jetzt noch einen kleinen Spaziergang zum Donau-Ufer machen, vielleicht ein bisschen am Cafe Orphee vorbeischlendern und einfach nur die Regensburger Luft einatmen. Ohne Plan, ohne Ziel, einfach nur als die Sieben, die ich heute bin.

Jede von uns hat ihre eigene Geschichte, die sich in Zahlen und Momenten ausdrückt. Wenn du dich auch fragst, warum manche Tage sich so schwer anfühlen und andere so leicht, dann fang vielleicht einfach mal an, dein Geburtsdatum aufzuschreiben. Nicht, um eine fertige Antwort zu finden, sondern um die richtigen Fragen zu stellen. Es ist ein leiser Weg, aber er führt oft genau dorthin, wo man schon immer sein wollte – bei sich selbst, an einem sonnigen Nachmittag am Küchentisch.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

Verwandte Artikel