
Es ist ein später Sonntagnachmittag im Mai 2026. Draußen im Hinterhof in der Regensburger Ostengasse plätschert der kleine Steinbrunnen so gleichmäßig, dass es fast wie ein Metronom für meine Gedanken wirkt. Der Fencheltee in meiner Tasse ist eigentlich noch viel zu heiß, aber der Dampf, der am Fensterglas hochzieht, beruhigt mich schon beim Zusehen. Es ist eine Stille, die ich erst wieder lernen musste.
Hinweis: In meinen Sonntagsnotizen finden sich ein paar Affiliate-Links. Wenn du über so einen Link Rosina Kaisers Buch oder einen der Kurse kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich selbst in meinem Leinen-Heft am Küchentisch durchgearbeitet habe. Ich bin keine Ärztin und keine Therapeutin; meine Erfahrungen sind rein persönlicher Natur.
Noch vor drei Jahren hätte dieser Moment ganz anders ausgesehen. Damals, als ich noch in Vollzeit an der Clermont-Ferrand-Schule unterrichtete, war der Sonntag kein Ruhetag. Er war die Wartehalle für das Herzrasen am Montagmorgen. Ich saß meistens schon mittags über den Stapeln der 3b, den Rotstift in der Hand, während sich dieser bekannte Kloß im Hals langsam festsetzte. Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Rhythmus vom Geruch des abgegriffenen Tafellappens und dem leisen Summen des Wasserkochers in der Pausenküche bestimmt. Ich war Frau Haselbeck, die Klassenlehrerin, die immer funktioniert hat. Bis das Feuer im Dezember 2023 endgültig ausging.
Der langsame Abschied vom Schuldienst
Das Burnout kam bei mir nicht wie ein plötzlicher Gewittersturm über der Donau. Es war eher wie ein schleichender Nebel, der über zwei Schuljahre hinweg immer dichter wurde. Es begann mit der Schlaflosigkeit, die mich nachts um drei wachhielt, während ich im Kopf die Sitzordnung für den nächsten Elternabend durchging. Später kam das Zittern der Hände vor der ersten Stunde dazu. Im Januar 2024 zog ich die Reißleine und beantragte Altersteilzeit. Seitdem unterrichte ich nur noch zwölf Stunden, Dienstag und Donnerstag. Es war der wichtigste Schritt für meine Gesundheit, auch wenn es Mut kostete, die vertraute grüne Wandtafel und die Vollzeitstelle hinter mir zu lassen.
Im Juni 2024 drückte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg das Buch über den Zahlen-Code von Rosina Kaiser in die Hand. Sie sagte: „Nimm es mit nach Regensburg, es ist etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges.“ Zuerst lag es wochenlang neben der schiefen Lavendelvase auf meiner Kommode. Ich bin eine Frau der klaren Worte, keine Esoterikerin. Aber irgendwann, an einem regnerischen Nachmittag, öffnete ich es doch. Ich suchte nach einer Struktur, die nichts mit Lehrplänen oder Korrekturrichtlinien zu tun hatte. Eine Struktur nur für mich.

Die Arbeit mit den Zahlen hat mir geholfen, den „Sunday Dread“, diese lähmende Angst vor der neuen Woche, zu verwandeln. Es ist kein Heilversprechen, das alle Probleme wegzaubert. Aber es ist ein Anker. Wenn man unter Burnout leidet, fühlt sich die Welt oft unberechenbar und feindselig an. Die Zahlen jedoch sind neutral. Sie bewerten nicht, sie geben keine Noten, und sie fordern keine Rechtfertigung. In meinem Beitrag über die Zahlen-Code Anwendung im Alltag für neue Gelassenheit in der Altersteilzeit habe ich beschrieben, wie diese neue Ordnung langsam in mein Leben in der Altstadt eingezogen ist.
Warum Zahlen für uns Lehrerinnen ein Segen sein können
Als Lehrerin ist man es gewohnt, ständig zu bewerten und bewertet zu werden. Jedes Wort auf dem Zeugnis muss dreimal gewogen werden. In der Altersteilzeit habe ich gemerkt, wie tief dieser Zwang sitzt, alles „richtig“ machen zu wollen. Sogar das Entspannen fühlte sich anfangs wie eine Aufgabe an, die ich mit „mangelhaft“ abschließen könnte. Das Journaling mit dem Zahlen-Code war das erste Mal seit Jahren, dass ich etwas nur für meine eigene Beobachtung tat.
Wenn ich heute meine Tageszahl berechnen möchte, setze ich mich an den Küchentisch, schaue auf die Rückseite vom Bäcker Prantl und atme erst einmal tief durch. Die Mathematik dahinter ist simpel, fast wie in der zweiten Klasse, aber die Wirkung ist tief. Es geht nicht um Prophezeiungen. Es geht darum, eine Schwingung für den Tag zu finden. Wenn das Buch mir für eine Woche eine „5“ zeigt, die für Freiheit und Veränderung steht, dann nehme ich das als Einladung, vielleicht einmal einen anderen Weg zum Neupfarrplatz zu gehen oder mich im Cafe Orphee an einen Tisch zu setzen, den ich sonst nie wähle.
Ich möchte hier ganz deutlich sagen: Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Numerologin. Wenn du merkst, dass dein Herzrasen morgens nicht aufhört oder du dich in einer tiefen Erschöpfung befindest, die über den üblichen Arbeitsstress hinausgeht, ist der erste Weg immer der zum Hausarzt oder zu einer professionellen Beratungsstelle der Gewerkschaft. Das Buch Mein Sonntagsbegleiter ist ein wunderbares Werkzeug zur Selbstreflexion, aber es ersetzt keine Therapie. Es ist eine Ergänzung für die Seele, die wieder lernen will, leise Töne zu hören.
Ein Sonntag im März, an dem die Zahlen schwiegen
Es gab auch Momente, in denen ich keinen Zugang fand. Ich erinnere mich an einen Sonntag im vergangenen März. Es regnete ununterbrochen, und der Dom-Schatten wirkte besonders schwer auf der Ostengasse. Ich saß mit meinem Leinen-Heft am Tisch, rechnete meine Tageszahl aus und... fühlte gar nichts. Die Beschreibung im Buch passte so gar nicht zu meiner gedrückten Stimmung. Früher hätte ich mich unter Druck gesetzt, den Fehler bei mir gesucht oder gedacht, ich mache die Übung falsch.
Heute weiß ich: Das ist die Freiheit der Altersteilzeit. Wenn eine Woche keine Muster zeigt, dann ist das eben so. Ich habe das Heft einfach zugeklappt, mir meinen Regenmantel angezogen und bin an die Donau gegangen, um den Enten zuzusehen. Die Zahlen sind geduldig. Sie laufen nicht weg. Diese Gelassenheit ist ein Teil meines Heilungsweges nach dem Burnout. Ich muss nicht mehr jede Stunde des Tages „nutzen“. Ich darf einfach sein.

Neulich fragte mich eine ehemalige Kollegin aus der Clermont-Ferrand-Schule per E-Mail, ob ich jetzt auch diese Software-Lösungen nutze, von denen man manchmal hört. Sie erwähnte MeineRadionik, weil sie etwas Digitales für ihre Abendroutine suchte. Ich habe ihr geantwortet, dass ich für meine Sonntage beim Haptischen bleibe. Ich brauche das Gefühl des Papiers und den Bleistift in der Hand. Aber für jemanden, der technisch affiner ist oder tiefer in die Materie der Cluster-Analysen einsteigen möchte, mag so ein digitaler Zugang sicher hilfreich sein. Für mich ist die Schlichtheit von Rosina Kaisers Ansatz genau das, was mein überreiztes Lehrergehirn brauchte.
Struktur finden ohne Schuldruck
Die größte Herausforderung in der Altersteilzeit war für mich anfangs die fehlende Struktur. Wenn der Stundenplan wegfällt, der einen über zwei Jahrzehnte getragen hat, entsteht ein Vakuum. In meinem Artikel über Struktur in der Altersteilzeit finden: Mein Sonntagsjournal mit Fencheltee beschreibe ich, wie der Zahlen-Code dieses Loch gefüllt hat, ohne neuen Druck aufzubauen.
Es ist jetzt kurz vor vier. Die Sonne bricht gerade durch die Wolken und spiegelt sich im Wasser des Brunnens unten im Hof. Ich schlage mein Leinen-Heft auf. Im Regal hinter mir steht noch immer der alte Ringbuchordner mit den Kinderzeichnungen der 3b aus dem Jahr 2019. Wenn ich ihn sehe, lächle ich. Ich bin dankbar für die Zeit als Lehrerin, aber ich bin noch dankbarer für die Frau, die ich jetzt am Sonntagnachmittag sein darf. Eine Frau, die keine Angst mehr vor dem Montag hat, sondern sich darauf freut, am Dienstagvormittag zwölf Kindern mit Ruhe und echter Präsenz zu begegnen.
Wenn du selbst in einer ähnlichen Situation bist, wenn dich der Schuldienst mürbe macht und die Sonntage sich wie eine Last anfühlen, dann such dir etwas Kleines. Es muss nicht der Zahlen-Code sein, aber für mich war er die Brücke zurück zu mir selbst. Vielleicht ist es für dich auch ein Anfang, sich sonntags einfach eine halbe Stunde Zeit zu schenken, um die Welt einmal nicht zu bewerten, sondern sie nur zu beobachten – Zahl für Zahl.