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Geduld lernen in der Altersteilzeit durch die Arbeit mit der Tageszahl

Geduld lernen in der Altersteilzeit durch die Arbeit mit der Tageszahl

Draußen im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen seinen gleichmäßigen Rhythmus, während die Nachmittagssonne lange Schatten über die Rückseite vom Bäcker Prantl wirft. Ich sitze an meinem Küchentisch in der Ostengasse, das Leinen-Heft aufgeschlagen, und spüre die kühle Oberfläche des Holzes unter meinen Unterarmen. Es ist Mitte August, ein Sonntag, der sich so still anfühlt, wie es Sonntage früher nie taten, als der Montag noch wie ein drohendes Gewitter über dem Stundenplan hing.

Bevor ich heute tiefer in meine Notizen eintauche, ein kurzer Hinweis: In diesen Texten finden sich einige Affiliate-Links (Werbung). Wenn du über einen dieser Links ein Buch oder ein Programm kaufst, bekomme ich eine Provision — dein Preis bleibt natürlich gleich. Ich schreibe hier nur über Dinge wie den Zahlen-Code, die ich selbst an meinem Küchentisch durchgearbeitet habe. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin, sondern eine Lehrerin im Ruhestandsprozess; meine Erfahrungen ersetzen niemals eine medizinische oder psychologische Beratung.

Der langsame Abschied von der Taktung

Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Leben in Fünfundvierzig-Minuten-Einheiten unterteilt. Dreiundzwanzig Jahre dieselbe Schulhausleiterin an der Clermont-Ferrand-Schule, dieselbe Pausenkultur mit dem Wasserkocher auf Sparstufe und der vertraute Geruch von feuchter Kreide. Wenn ich heute an die Zeit vor Januar 2024 zurückdenke, spüre ich manchmal noch diesen alten Kloß im Hals, der mich vor jedem Elternabend begleitete. Das Herzrasen morgens vor sechs war ein Weckruf, den ich lange ignoriert habe, bis das langsame Burnout mich schließlich zwang, innezuhalten.

Seit meiner Altersteilzeit unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden, immer Dienstag und Donnerstag Vormittag. Es sind ruhigere Fächer, kein Stress mehr mit den Kernfächern der dritten und vierten Klassen. Doch die eigentliche Herausforderung der Geduld kam nicht durch die Schule, sondern durch die neue Leere — und die gleichzeitige Fülle. Denn während ich beruflich kürzer trat, forderte die Pflege meiner Mutter in ihrem kleinen Haus in Stadtamhof meine ganze Aufmerksamkeit. Ein strukturierter Pflegealltag lässt wenig Raum für die eigene Entschleunigung, und genau hier wurde die Tageszahl zu meinem Anker.

Nahaufnahme einer Hand, die handschriftlich Zahlen in ein Notizbuch einträgt, daneben eine Tasse Tee.

Das Ritual am Sonntagnachmittag

Im Juni vor zwei Jahren, kurz nachdem eine alte Studienfreundin mir Rosina Kaisers Buch in die Hand gedrückt hatte, begann ich mit meinem Ritual. Jeden Sonntagnachmittag gegen drei setze ich mich hin. Der Duft von Fencheltee mischt sich dann mit dem leicht staubigen Geruch meines alten Ringbuchs von 2019, in dem noch die Kinderzeichnungen der Klasse 3b stecken. Es ist ein Moment des Übergangs. Ich berechne die Tageszahl für die kommende Woche manuell. Es gibt insgesamt neun Grundziffern, auf die sich alles reduziert, und dieser Rechenweg — die Quersumme aus Tag, Monat und Jahr — hat für mich etwas Meditatives.

Es gab einen Moment im letzten Frühling, an einem besonders unruhigen Dienstagmorgen, da verlor ich die Geduld mit mir selbst. Ich wollte die Bedeutung meiner Zahlen sofort wissen und nutzte einen Online-Rechner, statt selbst zu rechnen. Es fühlte sich sofort falsch an. Das Ritual verlor seine Seele. Ohne das Kratzen des Füllhalters auf dem Papier und das langsame Addieren blieb nur ein nacktes Ergebnis ohne Resonanz. Ich lernte, dass die Zeit, die ich für die Berechnung brauche, bereits Teil der Heilung ist. Wer Fencheltee und Heilzahlen kombiniert, merkt schnell, dass es nicht um Schnelligkeit geht.

Wenn die Zahlen schweigen

Nicht jeder Sonntag bringt eine Offenbarung. Es gab Wochen, wie in jenem grauen November im ersten Jahr meiner Altersteilzeit, in denen ich mein Leinen-Heft gar nicht erst aufschlug. Die Tageszahl schien mir nichts zu sagen zu haben, oder vielleicht war ich zu müde, um zuzuhören. Einmal zeigte die Tageszahl eine Ruhe an, während meine Mutter einen akuten Schub hatte und ich zwischen Apotheke und Pflegebett hin- und herlief. In solchen Momenten erklärt die Zahl nichts — sie hält nur den Raum.

Ich habe gelernt, dass der Zahlen-Code kein Fahrplan ist, der Hindernisse aus dem Weg räumt. Er ist eher wie die schiefe Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz, die ich so liebe: Er macht die Umgebung ein bisschen schöner und weicher, auch wenn die Blumen darin manchmal den Kopf hängen lassen. Inzwischen habe ich das Buch sogar schon an drei Freundinnen verschenkt, weil ich glaube, dass dieser sanfte Zugang gerade für uns ehemalige Lehrerinnen wertvoll ist, die wir immer alles unter Kontrolle haben wollten.

Das Buch Zahlen-Code liegt neben einer Brille und Lavendel auf einem Holztisch vor Regensburger Kulisse.

Geduld als tägliche Übung

Besonders als pflegende Angehörige in der Altersteilzeit prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite der Wunsch, endlich die Seele baumeln zu lassen, auf der anderen die starre Taktung der Medikamentengabe und Arztbesuche. Die Tageszahl hilft mir, den Widerstand gegen das Unvorhersehbare aufzugeben. Wenn die Zahl der Woche für Rückzug steht, ich aber im Wartezimmer sitzen muss, versuche ich, diesen Rückzug innerlich zu finden — mitten im Dom-Schatten am Nachmittag, wenn ich kurz Zeit für einen Espresso beim Cafe Orphee habe.

Manchmal fragen mich ehemalige Kolleginnen, ob ich jetzt unter die Numerologen gegangen sei. Dann lache ich meistens nur leise. Ich erzähle ihnen von der Ruhe, die es bringt, sich nicht mehr über den Pausenhof-Geräuschpegel definieren zu müssen. Eine Kollegin fragte neulich nach technischeren Wegen, vielleicht wäre für sie eher etwas wie MeineRadionik interessant, aber für mich bleibt es beim Papier. Wer unter innerer Unruhe am Abend leidet, findet in der manuellen Arbeit oft mehr Trost als in einer App.

Kleine Schritte im Leinen-Heft

In meinem Regal steht noch immer der Stoffbeutel mit dem Bastelfilz aus meiner letzten Klasse. Er erinnert mich daran, wie vorsichtig wir mit den Erwartungen der Kinder umgegangen sind. Heute versuche ich, diese Vorsicht mir selbst gegenüber walten zu lassen. Die Tageszahl ist ein Vorschlag, kein Gesetz. Sie ist wie eine Einladung, die Woche mit dem Respekt zu betrachten, den ich früher meinen Schülern beim Aufsatzschreiben beigebracht habe: Wort für Wort, Schritt für Schritt.

Wenn die Pflege meiner Mutter mich an meine Grenzen bringt, atme ich tief ein. Der Kloß im Hals ist fast ganz verschwunden. Ich erinnere mich daran, dass ich nicht mehr Frau Haselbeck sein muss, die für zweiundzwanzig Kinder den Jahresplaner im Kopf hat. Ich bin jetzt Kerstin, die am Küchentisch sitzt und lernt, dass eine „Fünf“ an einem Dienstag einfach nur bedeutet, dass ich heute besonders achtsam mit meiner Energie umgehen darf.

Stilleben einer ruhigen Küche mit Lavendel und Blick auf einen Steinbrunnen im Hinterhof.

Ein Ausblick auf den kommenden Montag

Morgen ist wieder einer meiner schulfreien Tage, aber der Pflegeplan steht schon. Ich werde die Tageszahl im Hinterkopf behalten, während ich über die Steinerne Brücke laufe. Vielleicht entdecke ich ein Muster, vielleicht auch nicht. Das Schöne an der Altersteilzeit ist, dass beides in Ordnung ist. Es gibt keine Noten mehr, nur noch das Erleben. Für alle, die einen ähnlichen Weg suchen, kann ich das Buch von Rosina Kaiser wirklich empfehlen — es ist etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges.

Solltest du dich in einer ähnlichen Phase befinden, ausgebrannt oder zwischen Beruf und Pflege gefangen, such dir bitte Unterstützung bei deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Die Arbeit mit Zahlen kann eine wunderbare Ergänzung zur Selbstfürsorge für Lehrerinnen sein, aber sie ist kein Ersatz für professionelle Hilfe bei Burnout. Wir dürfen lernen, Hilfe anzunehmen, genau wie wir lernen, Geduld mit uns selbst zu haben.

Ich klappe mein Heft jetzt zu. Draußen ist es fast dunkel geworden über der Ostengasse. Der Brunnen plätschert weiter, unermüdlich und geduldig. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die ich in diesen zwei Jahren gelernt habe: Alles hat seinen Rhythmus, man muss nur lernen, hinzuhören. Den Zahlen-Code als Begleiter zu haben, macht dieses Hinhören ein großes Stück leichter.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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