Zaerin

Überforderung im Alltag bewältigen durch achtsame Heilzahlen im Sonntagsjournal

Überforderung im Alltag bewältigen durch achtsame Heilzahlen im Sonntagsjournal

Es ist ein sonntäglicher Moment der Stille hier in der Ostengasse. Die Nachmittagssonne fällt in einem schrägen Winkel durch das hohe Küchenfenster meiner Altbauwohnung und zeichnet helle Vierecke auf den Holztisch. Unten im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen vor sich hin, ein gleichmäßiges Geräusch, das sich mit dem fernen Duft von frischem Gebäck vom Bäcker Prantl vermischt. Mein Leinen-Heft liegt aufgeschlagen vor mir, daneben die Tasse Fencheltee, die noch ein wenig zu heiß ist. Der Dampf steigt in sanften Kringeln auf und beschlägt meine Brille, während ich mit den Fingerspitzen über die raue Textur des Buchdeckels streiche. Es ist ein haptischer Anker in einer Zeit, die sich endlich langsamer anfühlt.

Noch vor zwei Jahren sah mein Sonntag ganz anders aus. Damals, als ich noch mit vollem Deputat an der Clermont-Ferrand-Schule unterrichtet habe, saß ich um diese Zeit meist vor Bergen von korrigierten Aufsätzen der 3b oder entwarf akribische Wochenpläne. Mein Herz raste oft schon mittags, wenn ich nur an den Montagmorgen dachte. Dieser Kloß im Hals, der mich bis in den Schlaf verfolgte, war mein ständiger Begleiter. Heute unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden in Altersteilzeit. Diese Zahl, die 12, ist für mich mehr als nur eine Arbeitszeitreduzierung; sie ist der Raum, den ich mir zurückerobert habe, um wieder atmen zu können.

Der Weg vom Klassenzimmer zum Küchentisch

Als mir im Juni 2024 eine alte Studienfreundin aus Augsburg das Buch von Rosina Kaiser über Zahlencodes schenkte, war ich skeptisch. Als Grundschullehrerin habe ich ein Leben lang Zahlen vermittelt – aber eben als Werkzeuge für Rechenwege, nicht als energetische Schlüssel. Doch in der Stille meiner Erschöpfung begann ich, den Zahlen eine neue Bedeutung beizumessen. Ich setzte mich jeden Sonntag gegen drei Uhr hin und fing an zu schreiben. Nicht für eine Klasse, nicht für eine Schulleitung, sondern nur für mich.

Nahaufnahme einer Hand, die ein Leinenheft berührt, neben einer Tasse dampfendem Fencheltee.

Ich erinnere mich noch gut an den letzten Herbst, als der Nebel über der Donau hing und die Steinerne Brücke fast verschluckte. In jener Woche fühlte ich mich besonders schwer. Ich saß hier an diesem Tisch und berechnete zum ersten Mal meine Lebenszahl nach dem pythagoreischen System. Die numerologische Basis von 9, auf die man jede Summe reduziert, faszinierte mich durch ihre Einfachheit. Es erinnerte mich an das Herunterbrechen komplexer Sachverhalte für meine Schüler – alles auf das Wesentliche zurückführen. In meinem Sonntagsjournal notierte ich mir damals eine Sequenz von sieben Ziffern, die für innere Ruhe stehen sollte. Die Enge in meiner Brust lockerte sich in dem Moment, als ich mich darauf konzentrierte, die sieben Ziffern eines beruhigenden Codes sorgfältig an den Rand meines Journals zu schreiben.

Diese achtsame Beschäftigung mit den Heilzahlen wurde zu einem Ritual, das den Übergang von der Arbeitswoche in die Erholung markierte. Es ist ein wenig wie das Vorbereiten einer Bastelstunde mit Filz und Kleber: Man sortiert die Materialien, bevor das eigentliche Schaffen beginnt. Nur dass ich hier keine Geburtstagskarten für Kinder bastle, sondern Ordnung in mein eigenes inneres Chaos bringe. Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet, findet vielleicht Trost darin, wie Zuhause ankommen nach der Schule durch mein Sonntagsjournal mit Heilzahlen für mich zu einer Brücke in den Feierabend wurde.

Wenn die Heilung zum neuen Leistungsdruck wird

Doch ich muss ehrlich sein: Es gab eine Phase im letzten Winter, da drohte dieses neue Hobby in denselben Perfektionismus abzugleiten, der mich in den Burnout getrieben hatte. Ich wollte alles richtig machen. Ich suchte für jedes Wehwehchen, für jedes Herzrasen am Dienstagmorgen die exakt passende Zahl. Ich verbrachte Stunden damit, Codes zu vergleichen und fühlte mich gestresst, wenn ich einen Sonntag verpasste. Plötzlich war die Arbeit mit den Zahlen kein Anker mehr, sondern eine weitere To-Do-Liste.

Das ist die Falle, in die wir Menschen in der Altersteilzeit oft tappen. Wir haben zwar weniger Stunden in der Schule, aber wir füllen den gewonnenen Raum sofort mit neuen Projekten, die wir mit derselben Verbissenheit verfolgen. Die ständige Konzentration auf Heilzahlen zur Entspannung kann neuen Leistungsdruck erzeugen, statt den erhofften mentalen Freiraum zu schaffen. Ich merkte das an einem grauen Nachmittag im Februar, als ich frustriert mein Heft zuschlug, weil ich die Berechnung der Tageszahl für den kommenden Montag nicht 'perfekt' hinbekam. Ich bin keine Numerologin und keine spirituelle Lehrerin. Ich bin eine Frau, die lernt, dass eine Zahl nur ein Angebot ist, kein Befehl.

Ich habe dann gelernt, die Zahlen auch mal wegzulassen. In manchen Wochen bleibt das Leinen-Heft ungeöffnet. Dann genieße ich einfach nur den Blick auf den Dom-Schatten, der über die Dächer der Altstadt wandert, oder beobachte die Leute in der Schlange vor der Würstlkuchl. Diese Pausen sind genauso wichtig wie die Arbeit mit dem Buch. Ich habe darüber auch in meinen Notizen geschrieben, wie ich lernte, dass Geduld lernen in der Altersteilzeit durch die Arbeit mit der Tageszahl auch bedeutet, mal nichts zu erzwingen.

Ein Moment der Bewährung im Schulalltag

Ein besonderer Moment ereignete sich im frühen Frühjahr 2026. Ich musste eine Vertretungsstunde übernehmen – eigentlich genau das, was ich vermeiden wollte. Die Unruhe in der Klasse war greifbar, der Geräuschpegel auf dem Pausenhof drang durch die geschlossenen Fenster, und mein alter Bekannter, der Kloß im Hals, meldete sich zurück. In der kurzen Pause zwischen zwei Einheiten erinnerte ich mich an einen Zahlencode aus meinem Journal, eine einfache Sequenz, die ich mir für Momente der Überforderung notiert hatte.

Ein Regal mit einem alten Ordner der Klasse 3b und einem Buch über Zahlencodes.

Ich schloss für einen Augenblick die Augen, atmete den vertrauten Geruch von Kreidestaub und Linoleum ein und visualisierte die Ziffern. Es ging nicht darum, dass die Zahlen magisch die Kinder zur Ruhe brachten. Es ging darum, dass sie *mich* zur Ruhe brachten. Indem ich meinen Fokus von der lauten Umgebung auf die innere Struktur der Zahlen lenkte, fand ich meine Mitte wieder. Es war wie der Moment, in dem man im Unterricht den abgegriffenen Lappen nimmt und die grüne Tafel wischt: Ein klarer Schnitt, ein Neuanfang auf einer sauberen Fläche.

Wichtig ist mir dabei zu betonen: Ich habe keine medizinische Ausbildung. Wenn die Erschöpfung zu tief sitzt oder das Herzrasen nicht aufhört, ist der Gang zum Hausarzt oder eine professionelle Beratung durch die Krankenkasse unumgänglich. Heilzahlen sind für mich eine wunderbare Unterstützung für die Seele, aber sie ersetzen keine Therapie und keine ärztliche Abklärung. Man sollte immer mit einem Fachmann sprechen, wenn die Belastung über das normale Maß hinausgeht.

Reflexion am Küchentisch

Heute, an diesem Sonntag im August 2026, schaue ich auf das Regal hinter mir. Dort steht ein alter Ringbuchordner mit Kinderzeichnungen meiner Klasse 3b aus dem Jahr 2019. Die bunten Strichmännchen und die ungelenken Buchstaben erinnern mich daran, wie weit ich gekommen bin. Die Altersteilzeit ist nicht nur ein Rückzug, sondern ein Ankommen bei mir selbst. Die Heilzahlen in meinem Journal sind wie kleine Kieselsteine, die ich auf meinen Weg lege, um nicht die Orientierung zu verlieren.

Manchmal zeigt eine Zahl in einer Woche gar nichts. Es gibt Sonntage, an denen ich die Tageszahl berechne und mich am Mittwoch frage, was das eigentlich sollte, weil die Realität so gar nicht zum Code passte. Das ist völlig in Ordnung. Das Leben lässt sich nicht in sieben Ziffern einsperren, genauso wenig wie man ein Kind in ein starres Notenschema pressen kann. Die Freiheit liegt darin, das Muster zu erkennen, aber nicht zum Sklaven des Musters zu werden. Mit einer schiefen Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz vor mir und einer Tasse nun trinkbarem Tee genieße ich einfach das Privileg, die Zeit zu haben, über diese Dinge nachzudenken.

Vielleicht ist es gerade diese Gelassenheit, die uns Lehrkräften nach so vielen Jahren im Hamsterrad am schwersten fällt. Aber mit jedem Eintrag in mein Sonntagsjournal, mit jeder bewusst geschriebenen Zahl, lerne ich ein Stückchen mehr, dass ich nicht mehr Frau Haselbeck sein muss, die alles unter Kontrolle hat. Ich darf einfach Kerstin sein, die hier in der Ostengasse sitzt und den Sonntag willkommen heißt.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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