
Es ist ein ungewöhnlich warmer Junisonntag hier in der Ostengasse. Draußen im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen so stetig vor sich hin, dass es fast wie das Ticken einer alten Wanduhr wirkt, nur viel weicher. Mein Fencheltee ist noch zu heiß zum Trinken, also lasse ich den Dampf erst einmal gegen die Fensterscheibe ziehen. Durch das offene Fenster mischt sich der Duft von frischem Brot vom Bäcker Prantl mit der schweren, süßen Luft des Frühsommers. Auf meinem Küchentisch liegt das hellblaue Leinen-Heft, das ich nun schon seit zwei Jahren führe, seit jener Zeit im Sommer 2024, als alles anfing, sich ganz langsam zu drehen.
Der weite Weg vom Herzrasen zur Sonntagsruhe
Wenn ich heute, im Juni 2026, an die Zeit vor meinem Rückzug denke, fühlt es sich an wie die Erinnerung an einen Film, den ich vor langer Zeit gesehen habe. Dreiundzwanzig Jahre lang war ich Frau Haselbeck an der Clermont-Ferrand-Schule. Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Leben getaktet durch die Pausenglocke, den Geruch von nassen Wolljacken im Flur und diesen speziellen, metallischen Klang, wenn man den Riegel der grünen Wandtafel umlegt. Ich erinnere mich noch genau an einen Donnerstag im Mai, es muss 2023 gewesen sein, als ich im Lehrerzimmer saß und merkte, dass ich das Summen des Wasserkochers in der Pausenküche nicht mehr ertragen konnte. Es war ein schleichendes Burnout, das sich über zwei Schuljahre aufgebaut hatte. Das Herzrasen morgens vor sechs und dieser Kloß im Hals vor jedem Elternabend waren meine täglichen Begleiter.
Im Januar 2024 habe ich dann die Reißleine gezogen. Nach einer langen Krankschreibung kam die Bewilligung der Altersteilzeit – ein Segen, für den ich heute noch dankbar bin. Seitdem unterrichte ich nur noch zwölf Stunden, Dienstag und Donnerstag. Die Klasse 3b, die ich damals mitten im Schuljahr verlassen musste, ist längst in der weiterführenden Schule, aber ihr Abschiedsbuch mit den bunten Zeichnungen steht immer noch in meinem Regal, direkt neben der schiefen Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz. Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Numerologin, ich habe keine Ausbildung in Psychotherapie oder spiritueller Lebensberatung. Ich bin einfach eine Lehrerin, die einen Weg gesucht hat, um sonntags wieder atmen zu können, ohne schon an die Hausaufgabenkorrekturen vom Montag zu denken.

Wie ich meine persönliche Jahreszahl für das Jahr 2026 berechne
Das Buch über den Zahlen-Code von Rosina Kaiser war ein Geschenk einer alten Studienfreundin aus Augsburg. Sie sagte damals: 'Kerstin, das ist nichts Großspuriges. Nur etwas Kleines für den Sonntag.' Und genau so behandle ich es. Es ist mein Anker geworden. Heute sitze ich hier und möchte für mich festlegen, was dieses Jahr 2026 eigentlich für mich bedeutet. Die Berechnung ist so einfach, dass ich sie früher wahrscheinlich in einer Vertretungsstunde mit meinen Viertklässlern als kleine Rechenübung gemacht hätte.
Um die persönliche Jahreszahl zu finden, nimmt man den eigenen Geburtstag, den Geburtsmonat und das aktuelle Kalenderjahr. Bei mir ist das der 14. August und wir haben das Jahr 2026. Die Rechnung sieht dann so aus:
- Mein Geburtstag: 1 + 4 = 5
- Mein Geburtsmonat: 0 + 8 = 8
- Das aktuelle Jahr: 2 + 0 + 2 + 6 = 10
Nun addiere ich diese drei Ergebnisse: 5 + 8 + 10 = 23. Die Quersumme aus 23 ist dann 2 + 3 = 5. Meine persönliche Jahreszahl für 2026 ist also die 5. Es ist ein beruhigendes Gefühl, diese Zahl so klar vor sich zu sehen, während draußen der Schatten des Doms langsam über die Dächer der Altstadt wandert. Es gibt mir eine Struktur, die nicht mehr vom Lehrplan vorgegeben wird, sondern von etwas Leiserem, Stetigerem.
Die Bedeutung der Fünf: Zwischen Freiheit und neuen Wegen
In der Welt der Zahlen, so wie ich sie durch das Buch und meine wöchentlichen Notizen kennengelernt habe, steht die 5 oft für Veränderung, für Kommunikation und eine gewisse Form von Freiheit. Als ich das zum ersten Mal las, musste ich schmunzeln. Früher war meine 'Freiheit' auf die zweiundzwanzig Ferientage im Jahr beschränkt, die im gelben Jahresplaner dick markiert waren. Heute bedeutet Freiheit für mich, dass ich nach meinem Unterricht am Donnerstag über die Steinerne Brücke nach Stadtamhof schlendern kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht sofort am Schreibtisch sitze.
In diesem Jahr 2026 spüre ich, dass die 5 mich dazu einlädt, noch mehr von der alten 'Frau Haselbeck' loszulassen. Früher musste jede Unterrichtseinheit perfekt sein, jede Kopie gerade, jedes Kind exakt zur gleichen Zeit am gleichen Ziel. Dass ich diesen Perfektionismus ablegen konnte, verdanke ich auch der Erkenntnis, dass Zahlen nur Wegweiser sind, keine Befehle. Die 5 erinnert mich daran, dass das Leben fließen darf. Aber ich bin ehrlich: Es gibt auch Sonntage, da sitze ich hier und die 5 fühlt sich einfach nur an wie eine krumme Ziffer auf dem Papier. Letzte Woche zum Beispiel, Ende Mai, als es so viel geregnet hat, konnte ich mit der Energie der Veränderung gar nichts anfangen. Da wollte ich nur meine Wolldecke und Ruhe. Und das ist auch völlig in Ordnung.
Ein Zyklus, der keine Eile kennt
Was ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, ist, dass man nichts erzwingen kann. Die persönliche Jahreszahl ist kein Heilmittel. Wenn es mir schlecht geht, wenn das Herzrasen doch mal wieder anklopft – was zum Glück selten geworden ist –, dann gehe ich zu meinem Hausarzt oder telefoniere mit einer ehemaligen Kollegin, die mich damals durch die Krise begleitet hat. Die Zahlen ersetzen keine Therapie und keine medizinische Beratung. Sie sind eher wie ein weicher Bleistiftstrich auf einem weißen Blatt Papier, der mir zeigt, in welche Richtung ich meinen nächsten Schritt setzen könnte. Es geht oft darum, alte emotionale Blockaden zu lösen, die sich über Jahrzehnte im Klassenzimmer angestaut haben.

Manchmal fragen mich Leute, ob ich jetzt Numerologin sei. Dann lache ich meistens und zeige auf mein altes Ringbuch von 2019. Ich bin eine Lehrerin in Altersteilzeit mit einem weichen Bauch und einer Vorliebe für Fencheltee. Ich brauche keine Zertifikate, um mich sonntags an meinen Tisch zu setzen und über mein Leben nachzudenken. Das System der Jahreszahlen von 1 bis 9 ist für mich wie ein Jahreskreis in der Natur. Nach der 9, dem Jahr des Abschlusses und des Loslassens, das ich 2021/22 unbewusst schon schmerzhaft durchlebt habe, folgt die 1, der Neuanfang. Ich befinde mich jetzt mitten in diesem Zyklus und die 5 im Jahr 2026 fühlt sich an wie die Mitte einer Brücke. Man sieht schon das andere Ufer, aber man genießt auch den Blick auf das Wasser unter sich.
Erinnerungen, die nun ihren Platz haben
Wenn ich heute durch die Ostengasse zum Neupfarrplatz laufe, fühle ich mich nicht mehr wie jemand, der ständig auf der Flucht vor der nächsten Korrekturwelle ist. Ich sehe die Details: die Risse im Pflaster, das Lachen der Touristen vor der Würstlkuchl, den speziellen Blauton der Donau an einem Junitag. Mein Leinen-Heft ist voll von solchen Beobachtungen. Dort steht nicht nur die Berechnung der Jahreszahl, sondern auch, wie der Kaffee im Cafe Orphee geschmeckt hat oder warum ich an einem Mittwoch im April plötzlich an Jonas denken musste, diesen einen Jungen aus meiner 3b, der immer so vorsichtig mit seinen Buntstiften umging.
Diese Woche habe ich zum Beispiel gar keine Tageszahlen berechnet. Ich habe das Heft einfach zu gelassen. Es gab keinen Grund, nach Mustern zu suchen, weil die Woche einfach nur... eine Woche war. Dienstag und Donnerstag Schule, danach ein langer Spaziergang am Donau-Ufer. Manchmal ist die Abwesenheit von Erkenntnis die größte Erkenntnis überhaupt. Wir Lehrer neigen dazu, alles analysieren zu wollen, jedem Kind eine Note geben zu müssen, jedem Tag eine Bedeutung. Der Zahlen-Code bringt mir bei, dass manche Tage einfach nur Tage sind.
Falls du selbst gerade an einem Punkt stehst, an dem sich alles zu viel anfühlt, vielleicht auch im Schuldienst oder in einer ähnlichen belastenden Situation, dann such dir Hilfe bei Profis – beim Hausarzt, bei der Gewerkschaft oder einer Beratungsstelle. Die Zahlen können dir dann später helfen, wenn der erste Sturm sich gelegt hat, wieder einen Rhythmus zu finden. Aber erwarte keine Wunder von ihnen. Die Erlaubnis zur Ruhe musst du dir selbst geben, die steht in keinem Buch der Welt.
Mein Tee hat jetzt genau die richtige Temperatur. Ich werde jetzt noch ein wenig in den Hinterhof schauen und zusehen, wie die Amseln am Brunnen baden. Es ist Sonntag, es ist Juni, und meine 5 sagt mir, dass heute genau der richtige Tag ist, um einfach nur hier zu sitzen und nichts weiter zu sein als Kerstin.