
Draußen auf dem Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen so gleichmäßig, dass man fast vergisst, wie laut die Welt ein paar Straßen weiter am Domplatz sein kann. Es ist ein warmer Sonntagnachmittag im August 2026, und ich sitze hier in meiner Küche in der Ostengasse, während der Fencheltee langsam auf eine angenehme Temperatur abkühlt. Vor mir liegt das Leinen-Heft, dessen rauer Einband sich unter meinen Fingern vertraut und erdend anfühlt, und die Nachmittagssonne fällt in einem schrägen Winkel auf das alte Ringbuch mit den Kinderzeichnungen der Klasse 3b von 2019, das immer noch seinen festen Platz im Regal hat.
Seit ich im Januar 2024 den Schritt in die Altersteilzeit gewagt habe, sind meine Sonntage anders geworden. Früher saß ich um diese Zeit oft mit einem flauen Gefühl im Magen über den Korrekturen, die Uhr im Nacken, während der Kloß im Hals vor dem nächsten Elternabend schon am Nachmittag zu wachsen begann. Heute unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden, meistens Dienstag und Donnerstag Vormittag. Es sind ruhigere Fächer, kein Klassenlehrer-Druck mehr. Der Weg dorthin war weit, ein langsames Burnout, das mich zwei Jahre lang mürbe gemacht hat, bis ich nicht mehr konnte. Dass ich heute hier sitzen und die Stille genießen kann, hat viel mit einer kleinen Entdeckung zu tun, die mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg letzten Juni zugesteckt hat: Rosina Kaisers Buch über den Zahlen-Code.
Der Rhythmus des Lebens außerhalb des Stundenplans
Als Lehrerin ist man es gewohnt, in Zyklen zu denken – Schuljahre, Halbjahre, Ferienabschnitte. Aber diese Zyklen waren für mich lange Zeit von außen diktiert, ein starres Korsett aus Fristen und Lehrplänen. Als ich anfing, mich mit der persönlichen Jahreszahl zu beschäftigen, war das für mich wie das Entdecken einer inneren Uhr, die nichts mit dem bayerischen Kultusministerium zu tun hat. Es ist ein wenig so, wie wir früher in der Grundschule den Jahreskreis gebastelt haben, nur dass es jetzt um meine eigene Energie geht.
In der Numerologie, wie sie im Zahlen-Code beschrieben wird, durchlaufen wir alle einen numerologischen Zyklus von neun Jahren. Jedes Jahr hat seine eigene Qualität, seine eigene Aufgabe. Für mich war die Erkenntnis befreiend, dass man nicht jedes Jahr gleich viel "leisten" muss. Besonders in der Altersteilzeit, wenn man versucht, die Identität als die immer verfügbare "Frau Haselbeck" abzulegen, hilft dieser Blick auf das größere Ganze. Es geht nicht darum, sich selbst zu optimieren oder noch effizienter zu werden – Gott bewahre, davon hatte ich dreiundzwanzig Jahre lang genug an der Clermont-Ferrand-Schule. Es geht um das bewusste Loslassen.

Wie man die persönliche Jahreszahl berechnet
Die Berechnung ist eigentlich ganz einfach, fast wie eine kleine Rechenübung für eine dritte Klasse, nur ohne den Zeitdruck einer Probe. Man braucht dafür genau drei Komponenten: den Tag der Geburt, den Monat der Geburt und das aktuelle Kalenderjahr. Man bildet die Quersumme aus all diesen Zahlen, bis am Ende eine einstellige Zahl zwischen eins und neun übrig bleibt.
Ich erinnere mich noch gut an einen verregneten Sonntag im März, als ich zum ersten Mal begriff, warum sich das letzte Jahr so schwer angefühlt hatte. Ich war in einem Neuner-Jahr. In der Welt der Zahlen steht die Neun für den Abschluss, für das Aufräumen und das Platzschaffen für etwas Neues. Es war genau das Jahr, in dem ich den Antrag auf Altersteilzeit stellte und meine geliebte 3b abgab. Wenn ich heute darüber nachdenke, war es fast so, als hätte das Jahr mich sanft dazu gedrängt, die Tür hinter mir zuzumachen. Die persönliche Jahreszahl wechselt immer zum ersten Januar eines Jahres, und dieses Wissen gibt mir heute eine Struktur, die viel weicher ist als jeder Stoffverteilungsplan.
Natürlich bin ich keine Numerologin und auch keine Heilpraktikerin. Ich bin eine Frau mit einer schiefen Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz, die versucht, ihren Puls am Morgen wieder in den Griff zu bekommen. Wenn mir eine Zahl einmal nichts sagt – und das kommt vor, manche Wochen im Mai oder Juni bleiben im Heft einfach leer –, dann ist das auch in Ordnung. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur das Beobachten.
Das Neuner-Jahr: Die Kunst des Loslassens in der Altersteilzeit
In meiner jetzigen Phase ist die Neun mein ständiger Begleiter geworden. Für viele Lehrerinnen bedeutet Loslassen einen enormen Kraftakt. Wir sind darauf programmiert, Verantwortung zu tragen, jedes Kind im Blick zu haben, jede Geburtstagskarte rechtzeitig zu schreiben. Als ich letzten Dienstagvormittag nach meinen zwei Stunden nach Hause ging, sah ich die Kolleginnen in der Pause in der kleinen Küche stehen – der Wasserkocher auf Sparstufe, der vertraute Geruch nach abgestandenem Kaffee. Früher wäre ich dazugestoßen, hätte mich in die Probleme der 4a vertieft. Diesmal bin ich einfach weitergegangen, über die Steinerne Brücke, und habe den Schatten des Doms genossen.
Die Jahreszahl hilft mir dabei, dieses schlechte Gewissen zu bändigen. Wenn ich weiß, dass ich mich in einem Jahr des Abschlusses befinde, dann darf ich die alten Ordner im Keller lassen. Ich darf akzeptieren, dass eine andere Kollegin jetzt die Klasse 3b führt. Diese Neue Identität finden nach dem Lehrerberuf durch das Sonntagsjournal ist ein Prozess, der Zeit braucht. Die Jahreszahl ist dabei wie ein Geländer, an dem ich mich festhalte, wenn der alte Drang, alles regeln zu müssen, wieder hochkommt.
Ich merke dann eine tiefe Erleichterung im Brustkorb, wenn die Sonntagszahl mir bestätigt, dass heute nichts erledigt werden muss, außer einfach da zu sein. Es ist eine Erlaubnis zur Entschleunigung. Wir nutzen so viel Zeit unseres Lebens für die Optimierung von Lernprozessen bei anderen; die Jahreszahl im Zahlen-Code ist für mich das erste Werkzeug, das nur für mich da ist, ohne dass ich ein Ergebnis vorweisen muss.

Balance finden zwischen Dienstag und Donnerstag
Meine zwölf Stunden Unterricht sind jetzt meine Ankerpunkte in der Woche, aber sie definieren mich nicht mehr. Wenn ich sonntags gegen drei Uhr mit meinem Leinen-Heft am Küchentisch sitze, schaue ich oft zurück auf die Woche. Gab es Momente, in denen die Jahreszahl spürbar war? Manchmal ist es ganz subtil. Ein Gespräch beim Bäcker Prantl, bei dem ich merke, dass ich nicht mehr sofort in den Erklär-Modus verfalle. Oder ein Spaziergang am Donau-Ufer, bei dem ich nicht mehr an die korrigierten Aufsätze denke.
Für alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden – vielleicht nach einer längeren Krankschreibung oder eben am Anfang der Altersteilzeit –, kann die Beschäftigung mit diesen Zahlen eine enorme Emotionale Entlastung für Lehrerinnen durch das Sonntagsjournal mit Heilzahlen sein. Es ist eine Form der Selbstfürsorge, die nichts mit den üblichen Wellness-Tipps zu tun hat. Es ist eher eine stille Vergewisserung: Ich bin im Einklang mit meinem eigenen Rhythmus.
Wichtig ist mir dabei immer zu betonen: Ich habe keine medizinische Ausbildung. Wenn das Herzrasen morgens vor sechs nicht aufhört oder der Kloß im Hals zu fest sitzt, ist der Weg zum Hausarzt oder zu einer Beratungsstelle der Lehrergewerkschaft unumgänglich. Der Zahlen-Code ist eine Begleitung für die Seele, kein Ersatz für eine Therapie. Er hilft mir, die Balance zu halten, aber er hat mich nicht allein aus dem Burnout geholt – das war ein Zusammenspiel aus medizinischer Hilfe, der Entscheidung für die Altersteilzeit und eben diesen kleinen sonntäglichen Ritualen.
Jetzt, kurz vor den nächsten kleinen Ferien, blicke ich auf die Zahlen für den kommenden Herbst. Ich sehe keine großen Projekte, keine neuen Belastungen. Ich sehe Zeit für mich, Zeit für die Ostengasse und Zeit für den Blick in den Hinterhof. Das Leinen-Heft bleibt aufgeschlagen, der Tee ist nun perfekt temperiert. Es ist genug für heute. Es ist einfach nur Sonntag.